Lehrerausflug 2017: Fürth

Englisch inhalieren – eine Zeitreise durch die Geschichte des Rundfunks

Lehrer und Schüler erwarteten sehnlichst den 11:15 Uhr Gong, denn am 27.09.2019 hieß es sowohl für die Kids als auch für das Lehrerkollegium und die Mitarbeiter der OGS Unterrichtsschluss. Während die Kinder nach Hause gingen, begaben sich die Lehrer auf eine Zeitreise in die Vergangenheit des deutschen Rundfunks im Fürther Rundfunkmuseum. Nach einem kleinen Snack und netten Gesprächen im Garten des Stadtparkcafés, spazierte die Gruppe durch den Fürther Stadtparkdschungel. Die kleine Wanderung entlang der Pegnitz erinnerte an einen Trip durch den tropischen Regenwald bei starkem Monsun. Da die Regenschirme kläglich versagten, kamen die Läufer ziemlich durchnässt am Rundfunkmuseum an. Doch das nasse Zwischenspiel war bald vergessen, da wir von einer aufgeweckten pädagogischen Mitarbeiterin umfassend über alle Kapitel der Rundfunkgeschichte informiert wurden. Schon das Gebäude des Museums hatte eine bewegte Vergangenheit. Im 19. Jahrhundert kamen Menschen von nah und fern in das Fürther Kurhaus, um sich zu erholen und von den gesunden Ludwig Quellen zu trinken, die allerdings stark schwefelhaltig waren. Im Anschluss erzählte sie uns über die Anfänge des Rundfunks und den maßgeblichen Entwickler Max Grundig, der am 15. November 1930 den Radio-Vertrieb Fürth gründete. Sein Geschäft in der Sternstraße 4 lief trotz der wirtschaftlich schwierigen Zeiten gut an, da er die Geräte selbst entwarf, den Verkauf überwachte und auch den Kundenservice sehr ernst nahm. Schon bald galt er als Umsatzmillionär und konnte in einen größeren Laden, in der Schwabacher Straße 1 gelegen, umziehen. Ab 1938 lieferte sein Vertrieb Transformatoren an die Wehrmacht. Ab 1943 produzierte er mit Hilfe von ukrainischen Facharbeiterinnen auf einem Fabrikgelände in Vach. Der Nationalsozialismus erkannte den Wert des neuen Mediums und setzte es für Propaganda ein. Der für jeden in der Bevölkerung erschwingliche Volksempfänger, im Volksmund „Goebbelsschnauze“ genannt, durfte in keinem Haushalt fehlen. Diese Geräte waren nicht mehr aus hochwertigem Holz wie die Vorgänger der „Golden Twenties“, sondern aus einfachem Bakelit. Mit dem Zweiten Weltkrieg bekam das Radio die neue Aufgabe vor Luftangriffen zu warnen, und vom Kriegsalltag abzulenken. Da man mit dem Empfänger auch ausländische Sender wie BBC, Radio Beromünster oder Radio Moskau empfangen konnte, verfolgten die Nazis die „Rundfunkverbrecher“ streng. Falls jemand beim „Englisch inhalieren“ erwischt wurde, stand die Gestapo sofort vor der Tür und der Täter wurde ins Konzentrationslager oder Zuchthaus verschleppt. In der Nachkriegszeit ging Max Grundigs Produktion reibungslos weiter, denn er erhielt bereits im Mai 1945 eine Gewerbelizenz zur Herstellung von Transformatoren und Messinstrumenten sowie für den Handel und die Reparatur von Radios. Sein „Heinzelmann“ wurde als Radioselbstbausatz ein Kassenschlager. Im Zeitalter des Wirtschaftswunders endete unsere Reise in einem Wohnzimmer der Wohlhabenden. Dort stand der 3300,00 DM teure „Kuba Komet“, ein riesiger Fernsehschrank mit integriertem Radio und Plattenspieler, während ein Rundfunkmechaniker zu dieser Zeit nur 1,70 DM in der Stunde verdiente. Nach dieser Informationsflut und 90 Minuten des „Schweigens“ stärkten sich die Gruppe im Museumscafé, um dann den Abend im Grüner Brauhaus in der Komödie Fürth bei einem Glas Bier und „am deftigen Schäuferla“ ausklingen zu lassen.

Katja Strijewski

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