Ritter-von-Traitteur Mittelschule

Hunger, Elend und Tod – die Welt der Nürnberger Arbeiter im Zeitalter der Industrialisierung

Hunger, Elend und Tod – die Welt der Nürnberger Arbeiter im Zeitalter der Industrialisierung

Am 06.12.2018 fuhr die Klasse 8bG mit dem Zug nach Nürnberg, um das Museum für Industriekultur zu besuchen. Die pädagogische Führung stellte das Leben der Arbeiterschaft im 19. Jahrhundert dar.

Die ehemalige Schraubenfabrik, gegründet von Julius Tafel 1827, beherbergt heute das Museum für Industriekultur. Nachdem die Pädagogin den Beginn der Industrialisierung auf englischen Boden dargestellt hatte, wurde uns die von dem Nürnberger Pionier Johann Wilhelm Spaeth 1869 entwickelte Dampfmaschine erklärt. Diese Maschine wandelt ein Liter Wasser in bis zu 1700 Liter Dampf um. Der enorme Druck bewegt den Kolben, der wiederum ein Rad antreibt. Der Fliehkraftregler reguliert den Druckausgleich. Überwacht wurde diese riesige Maschine vom Dampfüberwachungsdienst DÜV, der später zum TÜV wurde. Weiter ging es in eine nachgebaute Fabrikhalle, wo die Werktätigen sechs Tage lang jeweils 14 Stunden arbeiten mussten. Von Tag zu Tag wurde die Maschinenarbeit langweiliger, da man immer die gleichen Tätigkeiten verrichten musste. Immer mehr ließ die Konzentration der Menschen nach, so dass es zu grausamen Unfällen kam. Die Transmissionsriemen rissen und verursachten Fleischwunden und schwere Quetschungen der Hände. In einem Jahr ereigneten sich 70 000 Unfälle in den Fabriken Nürnbergs, wobei 5000 zum Tod führten. Die Mitarbeiter mussten ansehen wie ihre Kollegen verbluteten, da es keine Krankenstation oder Betriebsärzte gab. Auch Kinder mussten ab 13 Jahren in der Fabrikhalle arbeiten. Von fünf Uhr bis acht Uhr wurde die Schule besucht und im Anschluss arbeiteten die Kleinen zehn Stunden in der Fabrik. Auch eine originale Arbeiterwohnung konnte von uns besucht werden. Im 19. Jahrhundert arbeiteten die Frauen im Hause und in der Fabrik sehr hart. Die meisten hatten viele Kinder, da es keine Verhütungsmöglichkeit gab. Eine Wohnung umfasste für eine achtköpfige Familie höchstens 35 Quadratmeter. Die Küche war der Aufenthaltsort für die ganze Familie. Es wurde in diesem Raum gekocht, gewaschen, gespielt und Hausaufgaben erledigt. An den Samstagen badete dort die ganze Familie in einer Zinkwanne, da es an diesem Ort am wärmsten war. Das zweite Zimmer war die „Gute Stube“. Hier durfte sich die Familie nur an Feiertagen wie Ostern und Weihnachten oder manchmal auch an Sonntagen aufhalten. Der Ofen wurde nur selten angeschürt. Der Grund für den seltenen Gebrauch war, dass die Möbel geschont werden sollten. Die einfachen Arbeiter wollten wie das Bürgertum auch einen Vorzeigeraum haben. Zuletzt gab es natürlich noch ein Schlafzimmer, in dem alle Familienmitglieder in zwei Betten schliefen. Größere Kinder nächtigten auf Strohsäcken am Boden oder in der Küche. Am Ende der Führung besuchten wir eine Arbeiterkneipe. Dort erklärte uns die Pädagogin, dass die Männer hier nach der Arbeit gemütlich ihre Schnäpse und Bier tranken. Es wurde über die Ungerechtigkeiten in den Fabriken diskutiert und wie man sich am besten organisierten könnte. So entstanden in diesen Kneipen die ersten Gewerkschaften, die mehr Lohn, weniger Arbeit und mehr Sicherheit am Arbeitsplatz forderten. Das war die Geburtsstunde des Sozialversicherungssystems. Frauen hingegen durften nicht in diese Gasthäuser. Sie mussten 20 Stunden arbeiten. Das Tagesprogramm einer Arbeiterfrau begann um vier Uhr morgens mit dem Vorkochen der Mahlzeiten für den Tag. Dann brachten sie die Kinder zur Hütefrau oder zur Schule. Es folgte ein langer Weg in die Fabrik, um dort 14 Stunden zu arbeiten. Nach der Arbeit kochten sie das Abendessen und erledigten die Hausarbeit. An den Samstagen kam auch noch das Wäschewaschen dazu, so dass sich der Tag bis 24 Uhr hinzog.

Nach dieser beeindruckenden Führung hielten wir uns noch eine weitere Stunde im Museum auf, um alle anderen Ausstellungstücke zu betrachten, unter anderem die dreidimensionale sprechende Küche, die den Technikwandel der Geräte vom 19. bis ins 20. Jahrhundert darstellte. Im Anschluss besuchten wir den Weihnachtsmarkt und die Arkaden in Erlangen. Dieser Ausflug zeigte, dass Museen nicht immer langweilig sein müssen. Wir waren uns einig diesem Museum so bald wie möglich wieder einen Besuch abzustatten.

verfasst von der Schreibkonferenz der Klasse 8bG

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